Schluss mit Datenfriedhof – echte Veränderung dank Mitarbeitendenbefragungen

von Martin Bunjes

Dr. Kathrin Neumüller von ValueQuest gab Einblick in die Praxis

Eine Mitarbeitendenbefragung ist ein strategisches Instrument, das – mit einer Aussenperspektive - sichtbar machen kann, was im Unternehmen (und in welchen Bereichen) gut läuft und wo der Schuh drückt. Richtig eingesetzt, werden die Ergebnisse zum Ausgangspunkt für direkten Dialog, bessere Zusammenarbeit und eine starke Führungskultur. Solche Umsetzungsaktivitäten sind von verfügbaren Ressourcen abhängig. In der Praxis passiert oft wenig mit den Befragungsergebnissen, es fehlen Interesse und Unterstützung durch das Management. Damit setzt sich ein Circulus Vitiosus in Gang: Wenig Wirkung senkt die Beteiligung bei der nächsten Runde usw. Im Inputreferat ging es um die Erfolgsfaktoren von vorbildlichen Mitarbeitendenbefragungen und tatsächliche Veränderung bei organisatorischen Schwächen.

 

Dr. Kathrin Neumüller, Buchautorin, Hochschuldozentin ZHAW und Co-Geschäftsführerin von ValueQuest, gab Einblick in die Praxis von Mitarbeiterbefragungen in Schweizer Unternehmen.

Sie zeigte unter anderem:

  • Was machen Unternehmen, die Mitarbeitendenbefragungen wirklich gut nutzen, konkret anders?
  • Welche Anforderungen müssen solche Befragungen erfüllen, damit sie mehr sind als ein Pflichtinstrument?
  • Welcher konkrete Impact für die operative- und strategische Ebene rechtfertigt den doch erheblichen Aufwand?

 

Die Präsentation von Kathrin Neumüller wurde an die Teilnehmenden verschickt. Interessierte können Sie bei martin.bunjes@spurenwechseln.ch anfordern.

 

Diskussion:

  • In vielen Unternehmen hapert es bei der Beteiligung der Mitarbeitenden, das reduziert die Aussagekraft der Ergebnisse; ebenso verfälscht Misstrauen gegenüber dem Instrument das Resultat.
  • Die grössten Herausforderungen liegen bei der Korrektur negativer Ergebnisse und dem Nachweis, dass ergriffene Maßnahmen tatsächlich wirken. Aber auch bei der mangelnden Aufmerksamkeit und Bestätigung für gute Resultate.
  • Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Mitarbeiterbefragungen zu echten Gesprächen und Lösungen führen müssen. Und zum Feiern von erfolgreicher Praxis. Durchschnittszahlen sind dabei der Ausgangspunkt. Entscheidend sind stets die konkreten Verhältnisse, die Erfahrungen und Interpretationen hinter den Zahlen.
  • Mehrere Teilnehmende berichteten, dass selbst gute Resultate wichtige Probleme verdecken können. Erst durch Workshops und Dialogformate werden Themen sichtbar, die praktisch anzugehen sind.
  • Intensiv diskutiert wurde die Frage, wie Führungskräfte bewegt werden können, unerfreuliche Ergebnisse ernst zu nehmen und Abhilfe zu schaffen. Die Antworten reichten von klaren Zielvereinbarungen mit der GL und Management-Attention über Unterstützung durch HR bis hin zu Coaching- und Entwicklungsangeboten. Dabei öffnet sich ein Spannungsfeld: Einerseits braucht es Verbindlichkeit. Andererseits können Sanktionen oder personelle Konsequenzen eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens beschädigen. Mehrere Teilnehmende plädierten deshalb für einen ressourcenorientierten Ansatz mit Unterstützung, Begleitung und Entwicklungsperspektiven.
  • Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, dass engagierte Führungskräfte, eine dialogische Kultur und ein starkes HR zwar wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unternehmen sind, ihrerseits aber Merkmale einer Organisation darstellen, die bereits gelernt hat, mit Feedback konstruktiv umzugehen.

Als zentrale Lernpunkte nannten die Teilnehmenden:

  • Motivation zu erfassen ist aussagekräftiger als Zufriedenheit.
  • Die Wirkung einer Befragung entsteht erst in der Umsetzung; sie muss aber klug eingefädelt werden.
  • Dialog ist wichtiger als Kennzahlen.
  • Kulturentwicklung bleibt ein langfristiger Prozess mit viel Ausprobieren, Lernen und Nachjustieren.
  • Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Events ist: Eine Mitarbeiterbefragung verbessert eine Organisation nicht. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Organisationen sich selbst besser verstehen und weiterentwickeln können.

Winterthur, 04.06.26

 

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